Samstag, 28. Mai 2011

Heidi? Heida? Nein, Dézaley von Bovard!

Das unverwechselbare Etikette einer Flasche Dézaley Medinette ist mir auf der PROWEIN sofort in die Augen gesprungen und so bin ich am Stand "hängengeblieben".

Ich konnte mich sehr lange mit einem äußerst sympathischen und charmanten Herrn Bovard unterhalten. Über die Schweizer Weinkultur, seine Weine, Wein & Schokolade - eine Kombination, die man in der Schweiz gerade erst für sich entdeckt - und selbstverständlich haben wir über Wein & Käse philosophiert. Das hat Herrn Bovard wohl dazu verleitet, mich in die Schweiz zu einer Wein & Käse Verkostung einzuladen. Dazu aber gleich noch mehr.
Grandseigneur der Chasselas Rebe ist Loius-Philippe Bovard
Seine besondere Bindung zur Heimat, seinem Erbe und der Kultur hat der ehemalige Jurist und Ökonom in seine Wiege gelegt bekommen. Seit 1983 leitet er in der 10. Generation die Domaine Louis Bovard, mit einer Jahresproduktion von 180.000 Flaschen. Darunter hervorragende Weine aus der Grand Cru Lage Dézaley, dem Chasselas Olymp, z.B. seine weltbekannte Dézaley Medinette. Die Finesse dieses Weines wird kaum noch von anderen Dézaleys erreicht und es ist ein Genuss, seinen Wein im Glas zu haben.

Seinen Namen verdankt die Chasselas wohl einem 161-Seelendorf südwestlich von Mâcon im Burgund. Und vor kurzem wurde in Laboren der Universität Neuenburg die Herkunft der Rebsorte gelüftet. Damit erfüllte sich für die Waadtländer Winzer ein langgehegter Wunsch, die „Verwurzelung“ des Chasselas in das Genferseegebiet. Die Winzer haben Ihre Böden untersuchen lassen, sie kennen Ihr Terroir genau und wissen, dass der Chasselas hier allerbeste Bedingungen vorfindet, um große Weine hervorbringen zu können.

Man muss wissen, dass der Chasselas eine Rebsorte, ähnlich dem Riesling, ist, mit einer starken Affinität ihr Terroir zum Ausdruck zu bringen, wenn man sie lässt. Fast jede Lage in Lavaux hat ihre terroirspezifischen Eigenschaften, die Weine weisen große Unterschiede auf. So ist ein Délezay nicht mit einem Mont-sur-Rolle zu vergleichen und ein Calamin hat nichts von einem Epesses.

In Lavaux gedeihen die Rebstöcke der Chasselas besonders gut auf den kalkhaltigen ehemaligen Gletscherablagerungen der steilen Terassen am nordöstlichen Ufer des Genfersees. Kalkhaltige Böden sind meist die Grundlage für außergewöhnlich extraktreiche Weine von großer Harmonie, Eleganz und Fülle. Und das besondere Mikroklima trägt außerdem dazu bei, den Chasselas zu besonders komplexen Weinen mit außergewöhnlicher Geschmeidigkeit und Fülle heranreifen zu lassen. Aufsteigende Feuchtigkeit, kühle Nächte, intensive Sonneneinstrahlung und der Wärmespeicher der Steinterrassen prägen die Aromatik der Reben. Mit den Jahren entwicklen die Weine Noten von Haselnuss, Honig, Lindenblüten und Pfirsich – vergleichbar mit den großen Marsannes aus dem Rhonetal.

Bovard erneuerte den klassischen Stil durch eine gelungene Verbindung von Tradition und Innovation. In den Rebbergen durch die strikte Begrenzung des Hektarertrages und die umsichtige Bodenbewirtschaftung. Im Keller mit dem Ausbau des Chasselas in Eichenfässern. Die Weine liegen hier lange auf der Hefe, die regelmäßig gerührt wird, bis zum Abzug auf die Flasche. Diese auch im Burgund angewandte Vinifikationsmethode verleiht den Weinen Struktur und unterstützt den typischen „Goût du terroir“. Zudem kann so der Gehalt an Kohlensäure und Schwefel reduziert werden.

Seine Weißweine zeichnen sich durch ein langes Lager- und Alterungspotential, von 10 bis 15 Jahre, aus. Und mit dem Alter entwickeln die Chasselas Weine erst ihre ausgeprägte Mineralität und die extraktreichen Aromen von Dörrobst und Honig.

Es lohnt sich auf jeden Fall, die Weine aus dieser bezaubernden Gegend kennenzulernen. Eine passende Gelegenheit bietet sich am Pfingstwochenende vom 11. Auf den 12. Juni 2011, wenn dort die Winzer Ihre Keller zum Probieren öffnen. (www.cavesouvertes.ch)



Als reiner Chasselas zeigt der ohne malolaktische Gärung ausgebaute „Ilex-Calamin“ Frische und schöne Kontinuität. Ein fein dosierter Holzton verrät das Terroir, das diesem Grand Cru seine würzigen Noten verleiht. Dieser Wein harmoniert perfekt zu geräuchertem Lachs, Spargel und Geflügelgerichten mit Rahmsaucen. Also gerade noch die perfekte Saison :-)

Und wer noch nicht in dieser hinreissend schönen Ecke der Schweiz war, sollte es sich vielleicht über Pfingsten überlegen einmal dorthin zu reisen.

Die Rebberge von Lavaux bieten eines der schönsten Panoramen der Welt. Fahren Sie einmal die Zugstrecke Bern–Lausanne. Kaum ein Reisender kann sich diesem atemberaubenden Blick auf die steilen, terrassierten Weinberge, den Genfersee und die schneebedeckten Berge entziehen. Eine Kulturlandschaft, die ihre Schönheit Generationen von Weinbauern verdankt.

Die UNESCO erkannte diese Einzigartigkeit dieser Region und nahm die „Kulturlandschaft“ im Schweizer Kanton Waadt 2007 zu Recht ins Weltkulturerbe auf.

Mit 800 Hektaren Rebfläche sind die Weinberg-Terrassen des Lavaux das größte zusammenhängende Weinbaugebiet der Schweiz und bietet Terrasse für Terrasse beste Aussichten. Alles begann im 11. Jahrhundert, als Zisterzienser die bis zu 585 Meter hoch aufragenden, extrem steilen Hänge mit Mauern stufenförmig befestigten, den sogenannten „Climants“.
(http://www.lavaux.ch/ )