Samstag, 17. September 2011

Teil 1: Elsass im September 2011

Colmar 2011
Traumhaftes Herbstwetter hat uns empfangen. Und ein äußerst geschäftiges Treiben in den Weinbergen. Die Lese war in vollem Gange und die Winzer freuen sich 2011 auf einen gelungenen und sehr guten Jahrgang. Die knappen Vorräte aus 2010, dem etwas „spritzigeren“, frischeren Jahrgang sind heuer nicht zu befürchten.

Fast bekommt man Lust, spontan zu fragen, ob man nicht einbisschen bei der Ernte helfen kann.
Schon auch deshalb, weil die Winzerbrotzeiten im Weinberg nach getaner Arbeit etwas ganz wunderbares sind. Nächstes Jahr, werde ich mir, wenn es noch klappt, Kost und Logis „verdienen“ *lach*, denn ich hätte wirklich Spaß an ein paar Tagen Erntehelfereinsatz bei Vincent und seiner Mannschaft.

Auch Äpfel, Birnen, Mispeln, Esskastanien und Walnüsse liesen die Äste der Bäume fast schon bedenklich zum Boden sinken, so voller Früchte hängen sie.
Das wird sicherlich auch für die geschäftstüchtige Madam Ferber aus Niedermorschwhir viele schöne Früchte bringen, die sie zu göttlichen Konfitüren verarbeitet. Eine gute Nachricht, nächstes Jahr kann man endlich bei ihr im Geschäft, das ja auch eines sehr gute Boulangerie und Patsisserie beinhaltet, frühstücken. Sie wird ein Café eröffnen.

Niedermorschwhir

Aber der Reihe nach, erster Stopp und auch die gebuchten Übernachtungen waren diesmal, in AMMERSCHWHIR. Einmal, weil mir das Restaurant dort empfohlen wurde und ich sowieso einmal am Abend dort sein wollte und zum anderen, weil leider bei Vincent auf Grund der Weinlese die Zimmer nicht für zwei Übernachtungen frei waren – und mein Papa hatte keine Lust „umzuziehen“.

Das Zimmer im „Aux armes de France“ lag im dritten Stock, war sauber und sehr geräumig, ich hatte WiFi (nach einigen Mühen es auch auf dem IPhone zu bekommen wegen der Reichweite des Senders) und ich denke, es lag preislich gut im Durchschnitt. Übernachtung 87,00 € ohne Frühstück, Zimmer sauber und geräumig, mit WiFi inklusive. http://www.armesfrance.fr/
Abendessen: Sehr ansprechende Karte, sehr große Portionen für à la carte, mit sehr freundlichem Service.

Madame Ferber

Normalerweise würden wir es allerdings vorziehen, ein Chambres d’Hotes zu buchen, weil man da den Anschluss an die Familie besser findet. Hier habe ich eine neue Adresse bekommen, die ich, seid mir nicht böse, erst einmal für mich behalte, nicht dass es dann schwer wird, ein freies Zimmer zu bekommen, weil es sooo schön ist!

Den Link, um sich allgemein eine dieser charmanten Unterkünfte auszusuchen, den kann ich euch aber verraten: http://www.chambresdhotesdecharme Ammerschwihr,.com/

In Ammerschwihr spielt der Weinbau eine herausragende Rolle. Die Einzellage Kaefferkopf, (71.65 ha) ist seit 2007 eine Alsace-Grand-Cru-Lage. In der Nachbarschaft von Ammerschwhir liegt der Ort KATZENTHAL und dort „KLUR Bio Weine“. Die dortige Grand Cru lage heisst Wineck-Schlossberg, (27.4 ha), es handelt sich hier um sehr zersetzte Zweiglimmer-Granitböden von Turckheim. Sie ähneln sehr ihren Nachbarn, den Grands Crus des Sommerbergs in Niedermorschwihr und des Brands in Turckheim.

Grand Cru Lage Kaefferkopf
Als wir am Weingut KLUR eintrafen, hatte eine 10-köpfige Gruppe Schweden gerade eine ausführliche Weinverkostung bei KLUR. Papa und ich bekamen dennoch einen sehr netten und herzlichen Empfang sowie  die nötige Aufmerksamkeit, um in Ruhe die Weine zu probieren.

Die probierten Weine:
Pinot Blanc 2010 , der eigentlich ein aus Auxerrois gekelteter Wein ist, wenig Ertrag, schöne Säurestruktur, dennoch angenehm weich zu trinken, ich würde diesen Wein auch solo als kleinen Schoppen jederzeit empfehlen. Wein aus dieser maifrostempfindlichen Traube erinnert an Weißburgunder, allerdings mit weniger Säure.

Riesling 2010 , das war überhaupt kein Wein für mich, sowohl in der Nase, als auch im Gaumen eher künstliches Zitronenaroma … wie im Zitronenlimo, irgendwie sehr ungewöhnlich – aber für mich nicht gewöhnungsbedürftig. Überhaupt nichts, was mich in der Stilistik oder Aromatik an einen Riesling erinnert hätte, den ich schon getrunken habe. Aber ich bin ja nicht das Maß aller Dinge und vielleicht ist dieser Riesling ja zu Forelle oder Zander sehr gut, wie es die Chefin berichtet hat … ich lasse mich ja auch mal gerne davon überzeugen – aber noch nicht diesmal.

Riesling Grand Cru Wineck-Schlossberg 2008, der zwar noch jung ist, dafür aber eine herrliche Nase nach reifen gelben Früchten mitbrachte, eine elegante mineralische Note zeigt und somit ein Riesling ist, der mir Freude macht.
Die elsässer Grand Crus (bestenfalls ohne jede Botrytis) sind mit unseren Spätlesen (bzw. unseren Großen Gewächsen) zu vergleichen. Die Restsüße und die Säurestruktur des Weines ergeben sehr körperreiche, extraktreich, vollmundige und langlebige Weine. Die Trauben wurden bis zu ihrer perfekten physiologischen Reife am Stock gelassen und dann erst geerntet. Dies ist eine andere Art den Erntezeitpunkt der Reben festzulegen, da er sich nicht mehr so direkt am Mostgewicht der Trauben orientiert.


COLMAR
Wie würde ich meine Eindrücke von Colmar beschreiben? Wir hatten uns nicht die Zeit genommen, Museen zu besuchen, sondern haben die Altstadt zu Fuß erkundet. Aber ein schlauer Spruch besagt ja, dass man nirgends gewesen ist, wenn man dort nicht zu Fuß gewesen ist. Colmar hat viele Gesichter und eines davon ist charmat, bunt und mit etwas Patina oder bereist angestaubt.
Augenfällig war, dass viele Ladenlokale geschlossen und zu vermieten waren, ebenso viele Häuser in der Altstadt zum Verkauf standen oder ebenfalls Wohnungen leer standen. Auch der Zahn der Zeit nagte an manchen dieser wunderschönen alten Gebäude. Eine Art „Stillstand“.


Colmar - Impressionen
Colmar - Winstub

Nach Strasbourg und Mulhouse ist Colamr die drittgrößte Stadt im Elsass. Aber es herrscht kein gehetztes Treiben, man lässt sich noch Zeit. Selbst die Touristen befinden sich auf ihrem Rundgang wie in „slow Motion“ - es wird geschlendert, nicht gehetzt und selbst für die obligatorischen Fotos wird sich die nötige Zeit genommen. Hier für alle, die Colmar gerne selbst entdecken und erkunden wollen ein Link:
http://www.ot-colmar.fr/

Sehr gefreut habe ich mich auch darüber, hier einen Shop von Chocolatier Thierry Mulhaupt zu entdecken, klar das ich mir da ein paar feinste Pralinen für den Weg gekauft habe. Ihn und seine kreative Patissier- und Chocolatier-Kunst kenne ich nun schon seit vielen Jahren. Das erste mal bin ich ihm auf dem Salon du Chocolat in Paris begegnet. Solltet ihr also in Starsbourg oder Colmar unterwegs sein – ein Besuch bei ihm ist eigentlich ein „muss“.

Colmar - Pâtisserie Jean par Thierry Mulhaupt


Pâtisserie Jean
par Thierry Mulhaupt


6 Place de l'École
68000 Colmar
Tél. +33 (0)3 89 41 24 63
http://www.mulhaupt.fr/de/patisserie-mulhaupt-colmar-55.html

Ich halte meine Augen in allen Städten  nach schönen „Restaurants“ offen, auch wenn ich nicht überall sofort essen gehen kann – so groß ist dann beim besten Willen weder mein Magen, noch mein Budget. Was mir gefällt wird notiert. Diesmal habe ich dieses Restaurant entdeckt: http://www.jean-yves-schillinger.com/restaurant-jys-colmar.html

Da möchte ich das nächste mal hin, am besten im Sommer, wenn man im Freien sitzen kann. Vielleicht ist ja jemand von Euch schon einmal dort zum Essen gewesen oder kommt vor mir dort hin, dann freue ich mich über Eure Erfahrungsberichte. Die Wistub ist im Elsass eine gern genommene Alternative zu den Restaurants, wenn man etwas landestypisches essen möchte. Diese hier gehört wohl zu den eher touristischen Anlaufstellen, aber die Speisekarte machte einen ordentlichen Eindruck: http://www.restaurantpetitevenise.com/

Foie Gras im LE GOLDERT - Gueberschwhir

Und beim Stichwort „landestypisch“ sind wir auch bei der Foie Gras. Nicht mehr von allen geliebt, wegen des Stopfens der Enten und Gänse – aber ich gestehe, ich liebe die Stopfleber sehr.
Es wäre auch nicht vergleichbar, wenn man die Leber von „nicht-gestopften“ Tieren näme, denn wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine „Fettleber“ und diese ist unvergleichlich zart und weich im Geschmack. Und ich esse diese Delikatesse im Durchschnitt nur einmal im Jahr.

Da mein Papa auch ein Foie gras Fan ist und es im Ort GUEBERSCHWHIR ein Lokal gibt, das viele Gerichte mit Foie Gras anbietet und diese auch im eigenen Geschäft verkauft, war unser Ziel auf Papas Wunsch am ersten Abend das „Le Goldert“.
http://www.foiegras-canoie.com/notre-restaurant-le-goldert.html
Das Essen hat gut geschmeckt, das Ambiente war angenehm, nur die Bedienung war etwas unfreundlich. Vielleicht einbisschen überfordert – oder unterfordert – denn es waren nicht alle Tische besetzt und sie hat doch vergessen, den richtigen Wein zum Essen zu servieren!

Übrigens: Der beste Wein für mich zur Foie Gras ist der Pinot Gris. Die beiden gehen eine unvergleichlich schöne Symbiose der Geschmäcker ein. Gleich danach folgt der Gewürztraminer, der ebenfalls zu allen Zubereitungsarten der Foie Gras wunderbar passt.
Zu Steak und Foie Gras wäre ein Klassischer Pinot Noir eine schöne Wahl. Ohne Barrique – einer aus dem Elsass, ein Ottrotter Roter.

Rezepte mit Foie Gras:
http://www.kuechengoetter.de/rezepte/Pasteten-Terrinen/Foie-gras-de-canard-mit-Mango-und-Honigbrot-1081103.html

http://www.essen-und-trinken.de/rezept/101395/tournedo-rossini.html

Das Geschäft von Christine Ferber

NIEDERMORSCHWHIR
ansteuern, heisst ein Besuch bei Christine Ferber und im Konfitüren-Rausch schwelgen. Auch Papa, der sonst eher etwas überlegter an die Einkäufe von Urlaubsmitbringseln geht, konnte hier nicht widerstehen und hat mit einingen Gläsern Konfitüre "zugeschlagen".
http://www.christineferber.com/Christine-Ferber.html
Ich selbst  habe mir diesmal 4 Sorten mitgebracht:
Cassis d’Alsace et Violett (Elsässer Schwarze Johannisbeeren mit Veilchen)
Gelée de Coings d’Alsace (Elsässer Quitten Gelee)
Mirabelles et pêches des vignes d’Alsace (Mirabellen und Weinbergpfirsiche)
Apricots bergeron, pêches blanches et vanille (Aprikosen, weißer Pfirsich und Vanille)
*mmmmhhhh*

Das Ort selbst gehört zu den sehr schönen, kleinen und romantischen Orten im Haut-Rhin Département. Was mir dort sofort aufgefallen ist, sind aber noch zwei ganz andere Dinge. Der Kirchturm dort hat ein „sich hochschraubendes“ Dach. Die St. Gallus Kirche (St. Gall) weist eine gewundene Turmspitze auf, die in ihrer Art im Elsass einzigartig ist. Das ist in ganz Europa höchst selten anzutreffen und ich kenne den Grund nicht, wieso die Türme so gebaut wurden … hier in der Weingegend hat es mich allerdings im ersten Moment an einen Korkenzieher erinnert, aber das wäre ja viel zu profan und träfe ja nicht auf all die anderen so erbauten Kirchturmspitzen zu. In der Kirche befindet sich eine prachtvolle Orgel von Andreas Silbermann, gebaut 1726, die sich ursprünglich in der Dominikanerkirche in Colmar befand.

Das Stadtwappen von Niedermorschwhir
Das zweite ungewöhnliche ist für mich das Wappen von Niedermorschwhir, das ein Mohrenkopf ziert. Auch hier habe ich versucht etwas in Erfahrung zu bringen. Das Stadtwappen von Niedermorschwihr zeigt neben Korsika als einziges einen Mohrenkopf. Es zeigt das Bildnis einer dunkelhäutigen Frau mit perlengeschmücktem Haupt. Wieso ist das so? Einen Hinweis geben da die „Chevaliers de Malte“. Als die Kreuzritter einst von Malta herüber kamen brachten Sie als Gefährtinnen wohl aus Afrika stammende Schönheiten mit. Einer dieser dunkelhäutigen Schönheiten, die es zur Gemahlin geschafft haben, ist das Wappen gewidmet.

Niedermorschwhir, Caveau Morakopf
Hier in der Gegend werde ich sicherlich das nächste mal zum Wein verkosten vorbei schauen. Viele schöne, kleine Orte und schöne Grand Cru Lagen in nächster Nähe. Die örtliche Grand Cru Lage bei Ammerschwhir heisst Sommerberg und kann wunderbar in einer der ansässigen „Caveaus“ probiert werden. Warum also nicht gleich die Caveau Morakopf besuchen? Essen & Trinken mit Genuss in stimmigen Ambiente!
http://www.caveaumorakopf.fr/index.html

Von gedrehten Kirchturmspitzen, die mich an einen Korkenzieher erinnern, zu einem kleinen Lokal in RIQUEWHIR, das den Korkenzieher im Namen trägt und ebenfalls eine Empfehlung wert ist.

http://www.ribeauville-riquewihr.com/LEI/Restaurant-Le-Tire-Bouchon.htm?HTMLPage=/de/schlemmen-in-elsass/restaurants.htm&action=&page=3&commune=&categorie=1900007s1900014&genre=1900002&nom_recherche=&ID=229000158&GENRE=1900002&CATEGORIE=1900007&langue=3&sessionalea=0,8074762
Ich kann mich auch an einen Besuch vor zwei Jahren erinnern, an dem ich in diese Winstub ausgeführt wude. Und alleine deswegen wird mir dieses hübsche Lokal wohl auch immer in romantischer Erinnerung bleiben.
Schade war damals nur, dass meinen Begleiter unsägliche Zahnschmerzen quälten, die von einer zwei Tage vorher durchgeführten Zahn-OP herrührten. Wir wollten eigentlich immer einmal wieder hierher zurückkehren, um schmerzfrei die elsässer Spezialitäten zu genießen. Da war doch was, mit Crémant bzw. Champagner, der in die frisch servierte choucroute sprudelt?

Der Ort selbst ist am besten außerhalb der Feriensaison zu besuchen – etwas an Rothenburg ob der Tauber erinnernd, schieben sich hier schnell mal busseweise die Menschen durch die schmalen Gassen. Und a propos Rotheburg o.d.Tauber – in Riquewhir, wen wundert es, hat die Christbaumschmuck-Königen Käthe Wohlfart auch seit 1995 ein Ladengeschäft.
http://www.wohlfahrt.com/24-0-riquewihr

Diesmal war Riquewhir allerdings hauptsächlich Anlaufstelle, um Vincent Sipp von der Domaine Agapé, zu besuchen. Vincent habe ich auf der ProWein kennengelernt und war damals schon sehr begeistert von seinen Weinen. Die Grand Cru Lagen bei Riquewhir heissen Schoenenbourg, mit seinem Keupermergel und Sporen, mit seinem tonigen, steinigen Mergelboden, der für Gewürztraminer hervorragend geeignet ist. Grand Cru Lage Osterberg, (Ribeauvillé, ca. 25 ha)

Die bei Vincent verkosteten Weine können übrigens auch alle über mich bezogen werden.

Expression
Pinot Gris 2010 : krautige Nase, etwas Waldboden, rauchige Noten,haben mich an geräucherten Speck erinnert, aber im Gaumen offenbart der Wein seine Fruchtigkeit, die gut eingebundene Säure macht diesen Wein sehr angenehmen zu trinken. 13,5 %, médaille d’argent au concours des vignerons indépendants 2010

Gewürztraminer 2010 : sehr feine, florale Noten, sehr schöner „Alltagswein“, 13,5%

Grand Cru
Grand Cru Pinot Gris Osterberg 2009: super schön zu trinken, warm, weich mit langem Abgang. Mundfüllend und schmeichelnd. Hier dominieren die vollmundigen Honig- und Trockenfrüchten, zarte Würze. Keinesfalls plump, da der Wein mit einer erfrischenden Säurestruktur ausgestattet ist.
13%

Grand Cru Gewürztraminer Schoenenburg 2009: wow – hier spielt der Wein mit seiner ganzen Aromenfülle und Eleganz. Wie eine duftende englische Rose, Litschi, weitere weiße Blüten klingen an, sanfte pfeffrige Noten im Nachgang. Körperreich, mit viel Extrakt, sehr rund und harmonisch. Ideal zur schärferen asiatischen und zur gewürzreichen indischen Küche. Auch Foie Gras zu Pain d’epice und einem Gewürztraminer-Gelee wäre zu diesem Wein ein Traum. Nicht vergessen sollten wir hier einen weiteren elsässer Traumpartner, den Munster Käse. 13,5%, noté 17,5/20 dans le guide Bettane & Desseauve 2010

Ich bekam noch die Gelegenheit den Muscat 2010 zu probieren, der allerdings nicht mehr im Export auf der Liste steht. Der neue Jahrgang wird wohl im Februar oder März 2012 abgefüllt werden. Der 2010er hatte anfangs eine verschlossene Nase, kam im ersten Moment verhalten daher. Aber mit etwas Luft im Glas zeigte er die würzige, typische Muskatnote gepaart mit fruchiger Traubennote und sanft mitschwingenden floralen Noten. Der Wein ist vollmundig, frisch und sehr schön als Aperitifwein einzusetzen.

Süßweine fehlen bei Vincent natürlich auch nicht, diese habe ich dieses mal allerdings nicht verkostet.

In Teil 2 meines Reiseberichtes folgen Andlau, Ottrott und noch ein paar weitere Restaurants- und Ausflugtipps.

GLOSSAR für wissbegierige Leser

Physiologische Reife: Idealer Zeitpunkt für den Beginn der Weinlese. Der Begriff ist in den 90er-Jahren in Amerika entstanden und umfasst mehr Kriterien als nur den mit analytischen Methoden gemessenen Zucker-und Säure-Gehalt. Dabei werden der Zustand bzw. die Färbung der Beerenhaut, die Elastizität des Fruchtfleisches, der Reifezustand der Traubenkerne (Gerbstoffe) und der Geschmack der Beeren berücksichtigt. Immer mehr Winzer in Europa schließen sich dieser Einschätzung an. Vor allem in kühleren Anbaugebieten wie zum Beispiel im Mitteleuropa orientiert man sich (noch zu sehr) vor allem am Mostgewicht der Trauben. In wärmeren Gegenden wie Italien oder Frankreich hingegen achtet man darauf, dass der Gehalt an Säuren nicht zu tief absinkt. Unabhängig von Mostgewicht und der Sorte ist in unseren Breitengraden die Physiologische Reife ziemlich genau 100 Tage nach der Blüte erreicht - und die Traubenkerne lösen sich leicht vom Fruchtfleisch.

Botrytis oder Edelfäule: http://de.wikipedia.org/wiki/Edelf%C3%A4ule
Edelfäule bildet sich auf reifen Trauben ab etwa 80 Grad Oechsle bzw. 12,5 KMW (=Klosterneuburger Mostwaage) bei warmem Herbstwetter aus. Die nötige Feuchtigkeit zum Wachsen der Edelfäule liefern dann meist Frühnebel, während die Tage noch warm genug sein müssen, um das Trocknen der Beeren zu fördern. Durch die Konzentration kann in extremen Fällen der Zuckergehalt der Trauben bis auf 45 % ansteigen. Das hat höchste Mostgewichte zur Folge. Diese Beeren können zu hochwertigen Mosten für Auslesen, Beerenauslesen oder Trockenbeerenauslesen weiterveredelt werden. Der mit der Konzentration einhergehende Mengenverlust kann durch Qualitätszuwachs ausgeglichen werden.

Nur wenige Weinbaugegenden zeichnen sich durch ein derartiges Klima aus. Berühmte Süßweine kommen aus Rust am Neusiedlersee (Österreich), Sauternes und dem Weinbaugebiet Anjou (Frankreich), aus Deutschland, der Schweiz und Ungarn.

Die Rebsorten, die hervorragende Süßweine hervorbringen können sind: Semillon, Chenin Blanc, Riesling, Gewürztraminer, Pinot Gris, Weißburgunder, Scheurebe, Silvaner und Muskateller, um nur die gängisten zu nennen. Die aus diesen Mosten erzeugten Weine sind meist sehr süß, weil der Zucker aufgrund seiner hohen Konzentration von den Hefen bei der alkoholischen Gärung nur noch teilweise abgebaut werden kann. Weitere besondere Merkmale dieser Weine sind ihre extrem lange Haltbarkeit und der Botrytiston.

Der Schimmelpilz perforiert mit seinen Enzymen die Weinbeeren, da die Zellwände der Beerenhaut abgebaut werden. Infolge tritt bei trockenem Wetter aus den Beeren Feuchtigkeit aus und verdunstet. Dabei steigt die Konzentration der Inhaltsstoffe im Saft der Beere, die Saftmenge wird reduziert. Zugleich verändert der Pilz die Zusammensetzung der Beere. Der Pilz verstoffwechselt Zucker, Säuren und Stickstoff. Relativ verbraucht er aber weit mehr Säure als Zucker und gibt dabei Stoffwechselprodukte wie Glycerin an die Beere ab. Diese mikrobiologischen Prozesse verändern auch die Farbe und Aromen des Saftes. Das führt beispielsweise zum typischen honigartigen Edelfäulebukett bzw. Botrytiston. Süßwein: Umgangssprachliche Bezeichnung für Wein mit hohem Restzuckergehalt. Prädikatsweine, wie Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese bzw. Dessertwein