Sonntag, 2. Oktober 2011

Von der Fruchtbarkeit, einer Bärin, göttlichen Rieslingen und einem bärenstarken Pinot Gris


Bei meiner letzten Elsass-Reise stand ein Besuch bei Rémy Gresser in Andlau auf dem Programm. Das beschauliche Dorf Andlau liegt, eingebettet zwischen Wald und Weinbergen und lebt hauptsächlich vom Weinanbau und Weinhandel. Den Riesling-Weinberg "Moenchberg" sollen schon die Römer kultiviert haben und gehört damit zu den ältesten Weinbergen Frankreichs. Zusammen mit Kastelberg und Wiebelsberg gehört er zu den drei Grand-Cru-Lagen von Andlau.

Genau zur Pinot Blanc Lese angekommen :-)

Und überall diese reizenden Fachwerkhäuser

Da kamen schon einige Trauben aus der Presse
Und der neue Rebsaft des Pinot Blanc verlässt die Presse

Rémy erzählte uns zur Dorfgeschichte von Andlau, dass lange vor den Christen, die Kelten hier eine Kultstätte hatten, die der Göttin Artio (von "arta" = Bärin, Keltische Bärengöttin, die speziell im geographischen Raum der heutigen Schweiz sehr verehrt wurde) geweiht war. Alle Städte, die in ihrem Wappen einen Bären / Bärin zeigen gehen wahrscheinlich auf Kultstätten der keltischen Göttin zurück (Bern / Berlin).

Die Bärin von Andlau

Das Kloster in Andlau wurde im Jahre 880 von der Hl. Richardis, Gemahlin des karolingischen Königs Karl III., gegründet. Der Legende nach zeigte ihr ein Bär den Platz für den Klosterbau. Seither gehört das Bild des Bären zu dem Stadtwappen und ist mehrmals in Andlau zu sehen, wie z.B. in der Skulpturgruppe des gotischen Springbrunnen, in der Nähe des Rathauses.

Die Abteikirche des Klosters (12. Jh.) in Andlau gehört zu den bedeutendsten Bauten der elsäßischen Romanik. Die Bärenskulptur in der Krypta (unbestimmte Zeitstellung) soll den Bären ersetzt haben, den man im Mittelalter im Hof der Abtei hielt. Auch Heute noch, so erzählte uns Rémy, kommen Frauen mit Kinderwunsch heimlich in die Krypta, um sich auf den Rücken der Bärin zu setzen. Das soll der Legende nach helfen, doch noch ein Kind bekommen zu können.
Das Kloster Andlau sowie die Ruine des Schlosses „Hoch Andlau“ sind auf jeden Fall einen Besuch wert.  Haut-Andlau (Hoch-Andlau) und die Spesburg sind zwei Burgen, die noch aus dem Mittelalter stammen. Von beiden Burgen hat man einen guten Ausblick in die Rheinebene und auf die Vogesen.

Aber zurück zu den drei Grand Cru Lagen um Andlau. Und da bekomme ich auch schon wieder meinen Bogen hin zum „göttlichen“ *lach*.
Denn die Grand Cru Lage „Moenchberg“ mit ihrem Muschelkalk, könnte man als ein wahres Geschenk der Götter bezeichnen. Auf der gerade einmal 11,83 ha großen Lage gedeihen Rieslinge besonders gut. Der Riesling Alsace Grand Cru Moenchberg ist ein sehr grosser, lagerfähiger Wein. Sehr elegant, fruchtig und rassig, mit stattlichem Körper und angenehmer Sensibilität.

Die 12,52 ha große Grand Cru Lage Wiebelsberg ist eine prädestinierte Riesling-Lage. Der Vogesen Buntsandstein ermöglicht es den Reben tief zu wurzeln.

Die mit 5,82 ha kleinste Grand Cru Lage Kastelberg ist gleichsam die beste für den Riesling. Nördlich der Ortschaft Andlau, erhebt sich der Kastelberg, auf dessen steil abfallender Südseite in 240 bis 300 m Höhe sich die Weinlage befindet. Sie besteht aus Steiger-Schiefer silurischen Alters und einzigartig im Elsass. Diese Schiefersteine wurden durch den Granit von Andlau, der im oberen Teil des Gebiets auftritt, zu einem sehr harten und dunklen Felsgestein metamorphosiert (umgewandelt). Die Rieslinge von dort sind die „männlichsten“, mit großer Mineralität, gut eingebundener Säure, vielschichtig und sehr elegant.

Im Weinkeller - für mich immer spannend :-)

Die Verkostung kann beginnen :-)


Auf Remys Empfehlung verkostete ich folgende seiner Grand Crus: 
Moenchberg Grand Cru Riesling 2006, 12,5%
Notizen: elegant, gelbe reife Früchte, etwas exotische Noten, Honig, bereits einbisschen getrocknete Aprikose und ein ganz dezenter Boytritiston, schöne Mineralität, gute Struktur.


Wiebelsberg Grand Cru Riesling 2006, 12,5%
Notizen: Delikate Noten, zunächst unaufdringlich, eher florale Noten, der Wein macht sich dann aber im Mund angenehm breit und zeigt eine schöne dezente Frucht, eine gut eingebundene Säurestruktur, mit einem sehr langen Abgang. Sehr schöner Riesling!


Kestelberg Grand Cru Riesling 2007, 13%
Notizen: Sehr elegant, mit mineralischen Noten, die seine Herkunft verraten. Ein wahrer Verführer im Gaumen, sehr vielschichtig und damit wohl auch eher ein Wein für Liebhaber und solche, die es werden wollen, dieser Phantastischen Rebsorte.


Nebenbei gleich noch die ausführliche Beschreibung der Böden auf denen Remys Reben stehen.
Bei den Pinot Gris von Rémy hatte ich ganz schnell meinen Favoriten herausgeschmeckt. Kein Grand Cru aber eine Grandes Réserves. Und hier spanne ich den Bogen ebenfalls noch einmal zurück zur „Bärin“.
Der Pinot Gris „Clos de l’Ourse“ 2009 hat mich begeistert!
Ein weicher, femininer Wein – sehr fein. Das habe ich sogar als „fein, fein, fein !!!! “ in meinem Notizbuch notiert. Ebenfalls auf Schieferboden stehend ist dieser Pinot Gris einer der elegantesten gewesen, die ich in letzter Zeit verkostet habe. Honig Nase, komplex, mit viel Würze im Gaumen und viel Schmelz. I love it!
Dieser Wein wird weißes Fleisch, Geflügel und Wild hervorragend begleiten.
Außerdem ist er sicherlich auch der richtige Begleiter für die gewürzreiche indische Küche.
Und zu meinem Kürbissüppchen - diesmal mit Birne und Apfel, Ingwer, Chili, Zwiebeln, Knoblauch, Curry, Kokosmilch und etwas Gemüsebrühe. Außerdem eine Prise einer Gewürzmischung "Bed of Roses" ... im Glas Pinot Gris aus dem Elsaß - passte so hervorragend dazu, dass ich mir das echt merken muss!

Übrigens: Rémys Weine finden sich auch auf der Weinkarte des NOMA, das ab 2013 nur noch Bioprodukte listen wird.

Anschrift:
Domaine Gresser
Rémy Gresser
2 rue de l'Ecole
67140 Andlau, France
Telefon: +33 3.88.08.95.88



Glossar
Artio von "arta" = Bärin
Keltische Bärengöttin, die speziell im geographischen Raum der heutigen Schweiz sehr verehrt wurde (auch Verkörperung der Ardennen).

Am Ort, wo sich einst ein Kultplatz für Artio war, befindet sich heute die Stadt Bern.
Aratio ist auch Göttin der Jagd, Waldes und all seiner Tiere.
Bärengöttinnen wurden immer auch als Fruchtbarkeitsgöttinnen angesehen, da in der Bärin auch das Wort „gebären“ steckt. Die große Bärenmuttergöttin verkörpert gleichermaßen Kraft, Sanftheit, Mütterlichkeit und Ungezähmtheit.

Sie soll auch die beschützende Kraft bzw. ein mütterlicher Aspekt des mythischen Sakralkönigs Arthus gewesen sein. Damit dehnt sich ihr Einflussbereich von der Schweiz und den Ardennen bis Großbritannien aus.
Die Reise in die Dunkelheit : Artio hat auch einen schamanistischen Aspekt. Sie empfängt im Herbst und verbringt die Zeit des Winterschlafes gleichsam mit einer Reise in die Dunkelheit, in der das neue Leben in ihr heranwächst. Im Frühling, mit der Wiederkehr des Lichts taucht auch die Bärenmutter mit dem neugeborenen Jungen aus der Dunkelheit wieder auf.
Für viele Frauen steht Dunkelheit für Schlimmes und Licht für Gutes. Wie angenehm können jedoch dunkle Winterabende sein, an denen man ganz bei sich sein kann. Wie unangenehm können hingegen grelle Sommertage sein, an denen man keinen Schatten findet.
Artio lehrt Frauen, sich zurück zu ziehen und Dinge reifen zu lassen - in die geborgene und schützende Dunkelheit zu gehen bzw. in das Licht mit neuem Leben, neuen Ideen und Projekten zu treten – ganz je nachdem, was gerade passend ist. Als liebevolle, aber auch wilde Mutter fordert die Bärengöttin Artio uns heraus, lebenstüchtig zu werden, indem sie uns mit den Gefahren dieser Welt konfrontiert, aber gleichzeitig auch dabei hilft, diese zu bewältigen. 
Als Sternbild Große Bärin (Großer Wagen) umkreist sie noch heute den Himmelsnordpol.



Weitere Ausflugsziele in der näheren Umgebung:
Ottrott, Rotwein-Dorf
Mont Sainte-Odile, Kloster





http://www.elsass-geniessen.de/orte/Mont+Sainte-Odile