Mittwoch, 16. November 2011

Weinmesse Basel November 2011 – Vins du Valais im Aufwind




Der Veranstalter sagt über die vergangene Messe: „Die 38. Basler Weinmesse fand vom 29. Oktober bis 6. November 2011 statt. Die wichtigste Weinveranstaltung der Nordwestschweiz lockte über 22'400 Weinliebhaber und Gourmets nach Basel und überzeugte mit einem sehr vielfältigen Angebot von rund 4'500 Weinen aus praktisch allen wichtigen Anbauregionen.“

Für 1 Messetag war das Angebot wirklich übermächtig. Für das nächste mal werde ich etwas mehr Zeit für die Messe selbst einplanen, denn eines vorneweg. Ein großes Lob an die Veranstalter. Eine durch und durch wirklich auch optisch sehr, sehr ansprechende Messe. Ich war vorher noch nicht dort, fühlte mich aber als Besucher sofort super wohl!
Daher komme ich ganz bestimmt wieder. Für mich stand der Messetag ganz unter dem Motto: Schweizer Weine besser kennenlernen und neues für mich entdecken.Wem sagen Cornalin, Humagne Rouge, Dôle, Gamaret und Diolinoir schon etwas?
Oder Petite Arvine, Malvoisie, Magie Blanche, Johannisberg Vieilles Vignes sowie Ermitage surmaturé? Die Schweizer dürfen jetzt noch nichts verraten ;-)
Unübersehbar war, dass der  „Vins du Valais“ sich stark im Aufwind befindet. Und auch für mich, die ich mich doch zuletzt mit dem Anbaugebiet Lavaux  näher beschäftigt habe, war das eine sehr schöne Gaumenerfahrung.

Daher erlaube ich mir zunächst ein paar Informationen zu dem Schweizer Kanton niederzuschreiben: „Das Wallis (französisch Valais, italienisch Vallese, rätoromanisch Vallais, arpitanisch Valês), ist ein französisch- und deutschsprachiger Kanton im Südwesten der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Hauptort ist Sion, zu Deutsch Sitten. Wie der größte Schweizer Kanton Graubünden liegt das Wallis als drittgrößter Kanton vollständig im Gebiet der Alpen.
Obwohl in der feucht-kühlen gemäßigten Klimazone der Nordhalbkugel gelegen, zählt besonders das untere Wallis zu den trockensten Tälern Europas. Grund dafür ist seine Lage zwischen Gebirgsmassiven der Walliser Alpen im Süden und der Berner Alpen im Norden.
Beide Gebirgsgruppen reichen bis auf über 4000 Meter. Durch ihre Höhe fangen sie einen Großteil der Niederschläge ab, die von Norden oder vom Mittelmeer her gegen die Alpen strömen. Durchschnittlich gibt es daher nur 85 Regentage pro Jahr.
Am Südhang des Rhonetals herrscht im Unterwallis (flächendeckend) und im Mittelwallis (teilweise) Rebbau vor, stellenweise auch in den Seitentälern. Neben der Leitsorte Fendant wird in neuerer Zeit wieder vermehrt auf alte, ortstypische Sorten wie Humagne (weiss und rot), Arvine oder Malvoisie zurückgegriffen. Spitzenweine aus Traubensorten, die es nur im Wallis gibt wie z.B. Cornalin, Petite Arvine, Amigne oder Heida: im Weinkeller beim Winzer, im Gourmetrestaurant oder auch in der urigen Beiz entlang von Skipisten und Wanderwegen. Santé!

In Visperterminen befindet sich der höchste Weinberg nördlich des Alpenhauptkamms. Im Unterwallis werden in der Rhonetalebene in großem Stil Früchte angebaut, im Goms und in höheren Lagen (traditionellerweise, heute eher als Nischenprodukt) Getreide wie etwa Roggen. In Mund werden seit dem Mittelalter die nördlichsten Safrankulturen Europas gepflegt. In der Viehzucht genießt neben klassischer Milchwirtschaft die Schaf- und Ziegenhaltung einen bedeutenden Stellenwert. Auch hier werden die hochalpinen Rahmenbedingungen zunehmend als Gelegenheit wahrgenommen, seltenen und bedrohten Arten eine Chance zum Überleben zu bieten (zum Beispiel Walliser Schwarzhalsziege und Kupferhalsziege). Allerdings bestehen zwischen Viehzucht und Artenschutz auch Konflikte, etwa im Zusammenhang mit der Wiederansiedlung des Wolfes.“
(Quelle: Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kanton_Wallis und http://www.valais.ch/de/home)

Ein Ausflug zum kleinsten Rebberg der Welt wäre doch vielleicht auch einmal eine schöne Sache, die man im nächsten Sommer machen könnte? Der gerade einmal 1.67 m große Rebberg mit nur drei Rebstöcken gehörte einst Farinet, , einer legendären walliser Person, einer Art Robin Hood der Alpen,  außerdem war der Rebberg Eigentum des 2007 verstorbenen Abbé Pierre und heute gehört er dem Dalai Lama. Die geernteten Trauben werden mit dem besten Walliser Wein vermischt, daraus entstehen 1000 Flaschen. Diese werden verkauft und der Erlös wird für einen wohltätigen Zweck verwendet. Für Schwindelfreie gibt es dort eine, 2001 errichtete, Hängebrücke über die Salentzschlucht, in der einst Farinet zu Tode kam. Ein atemberaubender Ausblick entschädigt die Überwindung, sich auf die Brücke zu trauen. (Quelle: http://www.valais.ch/de/home)

Aber nun zurück zum eigentlichen Thema – meinen Eindrücken von der Basler Weinmesse.
Begonnen habe ich meine Verkostung auf der Messe bei Diego Mathier, dem Schweizer Winzer des Jahres 2011. Die Philosophie seines Winzerbetriebes lautet: „Der Rebbau ist ein harmonisches Zusammenspiel mit der Natur. Wir zeigen uns dankbar für die einmaligen Gegebenheiten des Rhonetals und gebühren der Natur großen Respekt. Sämtliche Weinberge der Familie Mathier werden nach den Grundsätzen der integrierten Produktion schonend bearbeitet. Mit Unterstützung von moderner Technologie, gegenwärtigem Wissen und langjähriger Erfahrung produzieren wir an den bevorzugten Lagen Weine auf internationalem Spitzenniveau. Dies bestätigt die stolze Sammlung von Medaillen, Zertifikaten und Auszeichnungen, die wir an nationalen und internationalen Weinprämierungen errungen haben.“
Ich war also sehr gespannt auf seine Weine. Das erste was mir auffiel war, dass man hier alle Weine aus Riedel Gläsern zum Verkosten anbot. Da ich ja bekennender Riedel Glas Fan bin, fand ich das schon einmal sehr gut.
Wer nicht glaubt, dass das die richtige Glaswahl beim Wein einen Einfluss hat, der sollte unbedingt einmal eine RIEDEL Glas Verkostung mitmachen. Oder bei einem anderen renommierten Weinglas-Hersteller, die das sicherlich auch anbieten, um den Vergleich zu demonstrieren.



Die Weine, die ich bei Mathier am Stand probierte waren:
Aus der Serie „TERRE PROMISE - Das gelobte Land des Gutedels“
Ville de Sierre AOCV, Chasselas
 

Ein herrlich, erfrischender Apéro Wein. Zauberhafte Frucht, jung zu genießen mit blumigen Noten.

Aus der Serie „LES PYRAMIDES - Spitzentropfen aus Grand Cru Lagen“
Heida Les Pyramides AOCV, Savagnin

Man merkt diesem Wein den 6-monatigen Einsatz in neuen Barriques an. Bereits in der Nase ist er wesentlich opulenter und breiter. Ich hatte neben den Fruchtaromen, Anklänge von erfrischender Minze und würzigen Noten.
Aus der Serie „LES PYRAMIDES - Spitzentropfen aus Grand Cru Lagen“
Petite Arvine de Molignon AOCV, Petite Arvine
Auch hier habe ich am Stand einen ganz anderen sensorischen Eindruck des Weines wie hier im Exposé beschrieben. Mein Eindruck war blumig, an wilde Heckenrosen erinnernd. Ein sehr eleganter Wein mit präsenter Säure zu den blumigen Noten. Ich empfand ihn leicht und duftig.
Der 2007er wurde übrigens auf der Expovino als beste Schweizer Weiweinspezialität ausgezeichnet.
Außerdem Memo an mich -> Petite Arvine Verkostung besuchen, da ich den so oft beschriebenen typischen salzigen Abgang nicht bemerkt habe. Diese Rebsorte hat etwas, was mich begeistert. Davon will ich mehr probieren.

Aus der Serie „LA FAMILLE - Weinpassion pur“
Cuvée Madame Rosmarie Mathier blanc AOCV
Siegerwein zum Winzer des Jahres 2011, Assemblage von Petite Arvine, Pinot Blanc, Pinot Gris und  Sylvaner. Der prozentuale Anteil der einzelnen Rebsorten ändert von Jahr zu Jahr. Grundwein ist der Petite Arvine.
Mein Eindruck: Ein verdienter Siegerwein. Rund, harmonisch, elegant, vielschichtig, mineralisch, leichte Restsüße, elegante Frucht, langanhaltend im Gaumen. Sehr schöner Wein für gesellige Runden.
Nicht probiert habe ich die ausgezeichneten Rotweine des Winzers, aber auch das werde ich sicherlich nachholen. Vielleicht besuche ich ja einmal das Weingut direkt, um dort an einer Verkostung teilzunehmen.


Am Stand von Mövenpick wurde ich bestens betreut von Andreas W., dem Verkaufsleiter und Alain Baumlé, dem Geschäftsführer des Mövenpick Weinkellers Basel.
Die probierten Weine:
Compleo, Pinot Gris, weiß aus der Staatskellerei Zürich, 2010
Mein Eindruck: Zarte, dezente fruchtige Nase, sanfte Würze. Nicht so „laut“ wie sonst Vertreter dieser Rebsorte. Sehr angenehmer Wein.

Blumig, fruchtig.  Im Geschmack ausgewogen, erfrischend und mit mineralischen Anklängen. Auch hier habe ich den angeblich salzigen Geschmack nicht gepürt.
Memo an mich -> Yves B. fragen, ober er Lust hat mit mir einmal eine Petite Arvine Verkostung zu machen :-)

Leichter, schön trinkfreudiger Rotwein. Die Himbeernoten steuert Cornalin bei, eine alte Rebsorte aus dem Rhonetal. Die anderen üppigen Fruchtaromen lassen sich als Kirsche und Cassis ausmachen. Sanfte Zartbitternote im Gaumen. Weich und mollig.
Außerdem wurde mir ein Pinot Noir Eiswein serviert und ein Schluck vom Sassi Grassi 2009 angeboten.


Am Ende meines Rundganges für mich eine wirklich sympathische Entdeckung: Cave Saint-Anne Sion, Wallis. Frédéric Vuignier, Directeur, war super sympathisch beim Erklären seiner Weine. Hier konnte ich ein Menge an rebsortenreinen Weinen verkosten und muss sagen ich habe eine neu rote Rebsorte für mich entdeckt, mit der ich mich ähnlich der Petite Arvine näher beschäftigen möchte: 
Humagne Rouge AOC VS 2008
Kräftig, beerenfruchtig jetzt ein idealer Wein zu Wild und kräftigen Speisen.
Gamaret AOC VS 2008
Assemblage Rouge "Le Sorcier"
Pfeffer, Lorbeer, saftige dunkle Früchte, eingebundene samtige Tannine, ausgewogen und mit langem fruchtigen Abgang.

Im Wallis werden ca. 50 Rebsorten kultiviert. Die Palette der hergestellten Weine reicht von leichten, trockenen Weißweinen hin zu eher restsüßen Spätlesen und den Flétriweinen (Süßweine, die trotz fehlender Edelfäule sehr komplex sind. Sie zeichnen sich durch eine fruchtige Süße und ein langes Alterungspotential aus. Siehe auch meine Blogeinträge: Vorfreude auf einen Genuss aus der Schweiz
und Der Neuzugang in meinem Privatkeller
Außerdem finden sich dort Rotweine in einer Palette von leicht und süffig bis hin zu komplex und schwer.
Viele authochthone Rebsorten werden hier im Wallis kultiviert. Die bekanntesten sind dabei wohl u.a. Humagne Rouge, Cornalin, Petite Arvine und Amigne. Die Walliser Winzer haben das große Potenzial ihrer einheimischen Rebsorten erkannt. Und so erfreuen sich Rebflächen, die mit Amigne, Cornalin, Humagne, Petite Arvine oder Rèze bestockt sind, einem steten Anbauflächen-Wachstum. Selbst fast vergessene Rebsorten wie Bernarda, Durize, Eyholzer, Goron, Gwäss, Heida, Himbertscha, Lafnetscha oder Planscher finden hier ihren Weg in die Flasche. Daneben finden sich im Wallis auch noch einige Neuzüchtungen wie den Sorten Gamaret, Garanoir oder der Sorte Diolinoir.
Eine weitere Bezugsquelle für Schweizer Weine ist die Firma Denner in der Schweiz.


Nicht verpassen möchte ich auch nicht Yves B. noch einmal ein "merci vielmals" auszusprechen für das nette Treffen in Basel, für die Zeit für einen kleinen Stadtbummel (inkl. dem Besuch bei einem Schokoladeladen und beim Weinfachhändler Ullrich), das Mittagessen und die interessanten und witzigen Gespräche. Und auch ein "merci beaucoup et bisous" an Hervé P., ich hätte nicht damit gerechnet, dass Du es über Mittag kurz zu mir schaffen könntest. Darüber habe ich mich deshalb wirklich sehr gefreut. Und Du Dich ja auch *smile* Es war wieder einmal sehr schön in Basel. À bientôt :-)Link zum Schweizer Weinführer