Samstag, 21. Dezember 2013

Omas Küche - Zeit für Erinnerungen


Quelle: ©Felix Merkator Fotocommunity
 „Wer in den Herzen seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern“ (Augustinus)

Mir sind heute viele Erinnerungen an meine Oma in den Kopf gestiegen. Das Bild oben gab wohl den Ausschlag. So ein ähnlicher Herd stand auch bei meiner Oma in der Küche. Und wenn Oma kochte, war die ganze Küche voller wunderbarer Gerüche. Es roch nach Holzfeuer, Gewürzen und aus dampfenden Töpfen und Pfannen stiegen Aromen von Braten und Beilagen. Mir kommen Gedanken in den Sinn, dass viele damals zu den einfachen Dingen die auf den Tisch kamen, "Arme Leute Essen" sagten. Dabei waren gerade das für mich als Kind so köstliche Sachen wie Kartoffeln mit Butter und Salz zu einem Kräuterquark, Baschnitz, Liwanzen, Buchteln, Mehlknödel, Zwetschkenknödel, Powidl oder eine einfache Scheibe Brot mit Butter und Zucker!

Die Erinnerung an diese "einfachen" Gerichte weckt in mir ein wohlig, warmes Gefühl. Zubereitet wurde alles aus den gerade verfügbaren Dingen. So kamen automatisch frische Produkte auf den Tisch, da man Gemüse und Obst großteils aus dem eigenen Garten ernten konnte. Es wurde eingekocht, versaftet und eingeweckt. Einfach und gut.

Heute spricht man fast schon von Luxus, wenn man sich mit biologischen, frisch angebauten Sachen versorgt. Der Begriff "einfach & gut" hat heutzutage eine völlig neue Bedeutung bekommen. Aus dem einstigen "Arme Leute Essen" ist heute fast schon ein Synonym für "Luxus" geworden.
Gerne "veredeln" wir mit ein paar wenigen "einfachen" Zutaten so "einfache" Gerichte wie Pellkartoffeln mit ein wenig Limettencreme und Kaviar. Auch hier sind die Grenzen zwischen einfach (wenig Zutaten) und einfach (bodenständig) fließend. Wobei ich unumwunden zugeben muss, dass ich persönlich auf beide Arten des Einfachen stehe. Dazu gab's übrigens "einfach nur" Champagner. Das wirklich auch sehr einfach und schnell zuzubereitende Rezept findet man bei den Küchengöttern.


Wieso aber nicht auch mal wieder die wirklich "einfachen" Gerichte der Kindheit ausprobieren?

Wie den Baschnitz. Baschnitz, das waren in einer Pfanne geröstete Scheiben Brot - dafür eignete sich natürlich auch das bereits etwas älter gewordene - die noch heiß mit einer frischen Knoblauchzehe eingerieben wurden, Butter drauf und Salz drüber. Einfach göttlich!
In der ARD Mediathek habe ich eine Erklärung für das Wort "Baschnitz" entdeckt und möchte euch diese nicht vorenthalten, falls euch das noch kein Begriff ist  << ARD Mediathek >>

Quelle: Wikipedia
Es wäre eine Sünde gewesen, Brot einfach so wegzuschmeißen. Und so gab es einige schmackhafte Verwendungsmöglichkeiten, für Brot, das schon einige Tage alt war. Zum Frühstück wurde es oft mit Butter bestrichen und in den Kaffee oder in den Kakao getunkt. Die Krönung für mich war, wenn ich das Butterbrot auch noch mit Zucker bestreuen durfte, schließlich gab es damals noch kein Nutella für mich. Oder wer kennt nicht "Arme Ritter", eine weitere süße Resteverwertung?

Die ebenfalls "süßen" Liwanzen meiner Oma habe ich geliebt! Sie sahen tatsächlich so aus wie handgroße Linsen und wurden, noch warm, in einer Mischung aus Zucker und Zimt gewälzt und gegessen. Eine Alternative zu Pfannkuchen, wenn auch die Liwanzen mit Pfannkuchen nichts gemein haben, da man sie aus einem Hefeteig zubereitet und dann in einer speziellen Liwanzenpfanne goldgelb ausbäckt. << Zum Rezept >>

Ich konnte es immer kaum erwarten, die frischgebackenen Liwanzen zu essen und habe mir dabei so einige Male den Mund verbrannt.
Und ich weiß nicht, ob ich Oma nicht bei jedem Besuch gebeten hatte, doch wieder welche für mich zu machen.

Mehlknödel gab es bei Oma zu einem Schweinebraten aus dem, mit Holz beheizten, Ofenrohr und immer mit Sauerkraut als Beilage.
Ihr gelang es immer, eine richtig krosse Kruste hinzubekommen, so eine, in die man beißen konnte, ohne dass die Hälfte der Kruste an den Zähnen kleben blieb. Die Mehlknödel oder Böhmische Knödel, wie man sie auch nennt, unterschieden sich sehr von den anderen Knödeln, die ich als "echtes Bayerisches Kindl" sonst so auf den Teller bekam. Meine Mama formte gerne Semmelknödel oder machte eine sauleckere fränkische Variante mit halb gekochten und halb rohen Kartoffeln. Die von Oma waren wunderbar weiß und saugten die Soße des Schweinebratens so himmlisch in jede Pore auf. Gemacht wurden sie nur aus Hefe, Mehl, Eier, Salz, lauwarmen Wasser und einer Prise Zucker.
Das Sauerkraut zum Braten wurde von meiner Oma immer sehr schlonzig und mit einer Prise Zucker zubereitet. Da fällt mir ein, dass "die Prise Zucker" bei meiner Oma in vielen Gerichten zum Einsatz kam. War das vielleicht das Geheimnis, wieso es mir dort immer so gut schmeckte? Selbst im Salatdressing gehörte neben frisch gepresster Zitrone auch stets etwas Zucker dazu. Ich weiß es nicht, werde aber jetzt einfach noch etwas in den Erinnerungen an Omas Küche schwelgen.

Omas Rezepte haben längst schon ein Comeback erlebt, wie die vielen Kochbücher auf dem Markt zeigen, die sich den überlieferten Rezepten widmen. Ein sehr schönes Exemplar ist dieses hier:

Der Verlag schreibt dazu: "Ein rundum persönliches Buch mit über 100 Farbfotografien und vielen Geschichten und Anekdoten rund um Großmutters Lieblingsrezepte.  Für alle, die sich nach den guten alten Klassikern sehnen" << Mehr Informationen und Bestellmöglichkeit >>

Ob es auch ein wenig so ist, dass dann beim Kochen mehr Liebe im Spiel ist, wenn man Omas Gerichte nachkocht, an die man sich erinnert? Auf jeden Fall erinnert man sich dabei an vieles und es heißt doch, dass die nicht gestorben sind, die in unseren Herzen weiterleben.

Dezember - Zeit der liebevollen Erinnerungen.