Montag, 10. Februar 2014

Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-Immigrant im Weinregal

Sein Land zu verlassen, sich zu freiwillig dazu zu entscheiden oder gezwungen werden es zu tun, sind wohl Gegensätze, wie sie kaum konträrer sein könnten. Wie es sein muss, sein Geburtsland und all das, was man sich bis dahin aufgebaut hat, verlassen zu müssen, erlebte ein Teil meiner Familie am eigenen Leib. Als Sudetendeutsche musste meine Oma ihre Heimat verlassen. Und, aus ihren wenigen Erzählungen aus dieser Zeit, weiß ich, es durfte nur mitgenommen werden, was in den kleinen Leiterwagen passte, in dem aber schon mein Vater, damals gerade einmal 4 Jahre alt, saß.

Sudetendeutsche auf dem Weg zum Bahnhof in Liberec,
ehemals Reichenberg, im Juli 1946. (AP Archiv)
Auch heute sind Krieg und Armut dafür verantwortlich, das sich Menschen auf den Weg in eine unbekannte Zukunft machen. Oft verbunden mit der Hoffnung, es dort einmal besser zu haben, dem Elend und der Angst zu entfliehen. Was sie allerdings oft in der neuen Welt erwartet sind wiederum menschenunwürdige Zustände. Viele erschütternde und traurige Berichte kann man dazu lesen oder in Reportagen anschauen.

Mein Aufruf zu dem Thema dieser Weinrallye hat hoffentlich, den einen oder anderen von euch auch etwas zum ernsthaften Nachdenken bewogen, wie wir im eigenen Land der Asylpolitik gegenüberstehen - oder bestenfalls, wie wir den Menschen begegnen, die ihre Heimat verlassen mussten. Sei es nun, weil sie dort um Leib und Leben fürchten mussten, oder sich einfach aus der dort vorherrschenden Armut befreien wollten, um ihren Kindern einen Weg in eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Es heisst, wer reist, muss zunächst Liebe für Land und Leute mitbringen (frei nach dem Zitat von Theodor Fontane). Mir geht es so, bereise ich ein Land, schließe ich Land und Leute in mein Herz. Und ich reise eigentlich für mein Leben gern. Leider sind die Möglichkeiten dazu nicht stets gegeben, aber das ist ja für die meisten von uns so. Und dann gibt es die Sehnsucht in mir, nach Ländern, die ich noch nicht bereist habe. Und manchmal ist diese Sehnsucht gar mit der "romantischen" Vorstellung verbunden, in diesem Land meinen Lebensabend zu verbringen. In so einem Fall, wäre ich dort ein Immigrant und würde mir wünschen, wohlwollend und freundlich aufgenommen zu werden. Eine meiner Traumdestinationen ist nach wie vor Südafrika. Verbunden mit meiner Leidenschaft für Wein ist dies ein Wunsch, der in mir brennt. Ein Ziel, das ich mir fest vorgenommen habe, einmal im Leben nach Südafrika zu reisen.



Solange ich das nicht kann, hole ich mir eben ein Stück Südafrika nach Hause. Meine Lieblings-Immigranten in meinem Keller kommen sozusagen vom Kap der Guten Hoffnung. Naja, nicht ganz, sie kommen aus Stellenbosch, aus dem Südwesten Südafrikas. Mich jetzt schwärmerisch über Stellenbosch und die Landschaft auszulassen, wäre nicht authentisch, da ich nur von Gefühlen berichten könnte, die das Betrachten vieler Fotos und Reiseberichte in mir auslösen.

Zumindest weiß ich eines sicher, nur indem ich darüber schreibe, wächst der Wunsch in mir, das Land zu bereisen schon wieder immens an!



Zurück zu meinen Weinen, die ihren weiten Weg aus Südafrika in meinen Keller gefunden haben. Luftlinie beträgt die Entfernung von Stuttgart nach Stellenbosch exakt: 9.246,88 km.

Meine Keller-Immigranten stammen beide aus dem Weingut SIMONSIG. Das Weingut selbst hat eine gut gemachte Website, auf der man alles Wissenswerte (auf Englisch) nachlesen kann. Vielleicht kurz soviel vorab: Benannt wurde das Weingut aufgrund der majestätischen Aussicht auf den Simonsberg. Es liegt gerade einmal 45 km östlich von Cape Town inmitten der berühmten Weinlagen in Stellenbosch. Seitdem der französische Hugenotte, Jacques Malan, 1688 auf dem Kap landete, hat die Familie Malan ihr Weinwissen von Generation zu Generation weitergegeben. Heute zählt das Weingut zu den führenden, privat geführten Weingütern, Südafrikas. Und wie man sieht, ist seine Geschichte ebenfalls auf einen Immigranten gegründet.



Mein Favorit im Keller: SIMONSIG Chenin Blanc

Ein körperreicher Weißwein, der mit seinen 13,5Vol.% kein Leichtgewicht darstellt. Er eignet sich daher nicht so gut, ihn einfach auf der Terrasse zu genießen, dafür um so besser, schöne Speisen zu begleiten. Der Chenin Blanc war der erste Wein, den der Gründer des Weinguts SIMONSIG, Frans Malan, 1968 auf den Markt gebracht hat. ich bin ebenfalls Jahrgang '68 - wer weiß, vielleicht passen wir beide ja deswegen so gut zusammen.

Das Weingut schriebt über den 2013er: "The tropical flavours of this bright straw coloured wine leaps from the glass. On the nose the wine shows intense tropical fruit salad flavours, with beautiful hints of apricot, ripe pears and kiwi fruit. On the palate it shows freshness with a natural acidity, intense fruit flavours and a lingering fresh finish. The 2013 vintage is an elegant wine, perfect for any occasion. As a great food wine, it pairs exceptionally well with seafood."

© SIMONSIG

Ich sage zum 2012er: Der Wein hat eine angenehme Säure, wunderbare Fruchtnoten, ohne parfümiert zu wirken. Noten von Ananas, gereiften Äpfeln und Birnen, getrocknete Aprikose und etwas florales - honigartiges schwingt in ihm mit. Er animiert stets zu einem weiteren Schluck. Und mir hat er zu meinem Curry-Gericht (Blogbericht: "Es gab lecker Reis, Baby! Curry-Bratreis mit frischer Ananas und Garnelen") wieder einmal unglaublich gut geschmeckt. Hier ergänzen sich die Aromen nicht nur, sondern gehen eine wunderbare Liaison ein.

Außerdem: ein Chenin Blanc eignet sich wunderbar, das eine oder andere Spargelgericht, zu begleiten! Ein paar Vorschläge werden in meinem, bald erscheinenden Online Magazin "Spargel & Erdbeeren" zu finden sein.

Der zweite Wein aus dem Weingut, der immer wieder seinen Weg in meinen Keller findet, ist der "Frans Malan", ein rotes Cuvée aus Pinotage, Cabernet Sauvignon und Merlot.
Bennat, nach dem Weinguts Gründer, stellt dieser Rote heute das Aushängeschild eines "südafrikanischen Blends" für SIMONSIG dar.


Das Weingut schreibt über den Jahrgang 2010:
"Wine Description:
Deep Persian Carpet Red with rich layers of plum, blackcurrant and fynbos supported by a thread of cinnamon spice. Our delicate use of wood forms a platform of delicious chocolate and mocha flavours with soft and supple tannins. The unique collaboration of these three varietals embraces various fruit components to represent a well-made Cape Style blend.
Wood Maturation:
Oaking for 17 months: 65% American White Oak, 35% French Oak. New Wood 92%, 3rd fill 8%.
Serving suggestions:
Egyptian dukka crusted beef fillet medallions, slow roasted belly of pork, springbok espetada, roasted duck and plainly cooked ostrich steak."

© SIMONSIG

Ich habe vom "Frans Malan" leider keine einzige Flasche mehr in meinem Keller entdecken können, so dass es Zeit wird, mir wieder einen kleinen Vorrat davon anzulegen. Diesen Wein kann man solo genießen. Abends, wenn man mit Freunden gute Gespräche führen will. Aber selbstverständlich eignet sich der Wein auch wunderbar zum Entenbraten oder Schmorgerichten. Auch zum Käse ist er ein geeigneter Kandidat.

Es würde mich freuen, wenn ihr diesen Weinen auch bald die Einreise in eure Weinkeller erlaubt und mir dann berichtet, wie sie euch geschmeckt - bestenfalls ebenso wie mich - fasziniert haben.

Bezugsquelle: CHÂTEAU et CHOCOLAT 

Und hier die Zusammenfassung aller #weinrallye Teilnehmer mit Ihren Berichten

Weinrallye #71 - geliebte Immigranten von hundertachziggrad°
Weinrallye #71 - Das Fremde von Peter Züllig
Weinrallye #71 - Immigranten im Glas von Wiesengenuss
Weinrally #71 - Romantische Rumänen von Marc Herold
Weinralle #71 - Mein Herz schlägt für Cahor von Cordula Eich / supershoppenshopper
Weinrallye #71 - Hauptsache Wein von Christin Jordan
Weinrallye #71 - Der Proirat Hammer sucht um Asyl von Torsten Hammer
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AUFRUF ZUR WEINRALLYE
Einmal im Monat treffen sich die virtuellen Weinschreiber zu einer Rallye im Netz!

Der Gastgeber gibt ein Thema vor und jeder der möchte, darf einen Artikel zum Thema schreiben. Diese werden vom Gastgebers gesammelt und auf seinem Blog verlinkt, damit sich interessierte Leser von einer “Rallye-Station” zur nächsten durchlesen können.

Es ergibt sich eine schöne Mischung verschiedenster Geschichten. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und jeder darf mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Denn Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit, ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen.

Am Freitag, den 28.02.2014, ist Dort Schmitt, von CHATEAU et CHOCOLAT Gastgeberin und lädt herzlich zum Thema “Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-Immigrant im Weinregal” ein.
Da sich die Schweizer vergangenem Sonntag gegen eine „Masseneinwanderung“ ausgesprochen haben, kam mir der Gedanke, welche "zugereisten" Weine denn so in unseren Kellerregalen liegen.

Zeugt es nicht ein wenig von Weltoffenheit, sich mit internationalen Weinen zu beschäftigen?

Folgende Fragen stelle ich deshalb an die Wein trinkende Runde:
Welche Weine in eurem Keller gehören zu euren „Lieblings-Immigranten“, bzw. werden von euch gerne direkt „eingeschleust“, sprich im Kofferraum importiert?

Welchem dieser „Wein-Ausländer“ gewährt ihr gerne häufig, um nicht zu sagen massenhaft, Asyl in eurem Glas? Warum und zu welchem Anlass?

Ich freue mich auf eure rege Teilnahme und viele eurer amüsanten, interessanten und guten Geschichten zu dem Thema. Und wie ihr wisst, freue ich mich auch immer über ein Rezept, das ihr zu eurem Wein aus der Schublade zieht, wenn ihr ihn zu etwas Essbarem servieren würdet.
Links zu den Beiträgen bitte hier in der Kommentarzeile hinterlassen, damit sie für die Zusammenfassung gefunden werden:

http://chateau-et-chocolat.blogspot.de/2014/02/weinrallye-71-asylsucher-im-glas-oder.html