Freitag, 28. März 2014

#Weinrallye 72 - Das beste Fass!


Jeden ersten Freitag im Monat folgen einige Weinfreunde dem Aufruf, an der Weinrallye teilzunehmen. In diesem Monat hat sich Thorsten Hammer dazu überreden lassen unser Gastgeber zu sein (Priorat Hammer).

Thorsten erklärt hier ganz ausführlich, was er sich eigentlich unter dem Thema vorgestellt hat und wie eine Weinrallye funktioniert.

Ich bin sehr froh, dass es irgendwie auch um "Herzblutweine" gehen kann - oder anders ausgedrückt, ich selbst habe gerade keinen Wein in meinem Keller, der den geforderten Kriterien entsprochen hat. Also einen Wein aus einem Fass, den man so nicht einfach kaufen kann.

Aber lasst mich ein wenig vom Thema abschweifen. Was könnten denn so besondere Fässer sein?
Das Besondere ist zwar nicht immer das Beste, aber zu den besten Fässern ranken sich viele Geschichten. Das "beste Fass" im Keller hat eine ganz witzige Tradition, basierend auf einer Legende, die in vielen Ländern ähnlich erzählt wird, es aber dabei immer um eine "Schwarze Katze" geht.

© Bianca Passarge Hamburg June1958
Begeben wir uns an die Mosel, genauer gesagt nach Zell an der Mosel. Hier wird erzählt, dass sich im Jahr 1863 Weinhändler in Zell nach einer ausgedehnten Weinprobe nicht zwischen drei Fässern entscheiden konnten. Als eine schwarze Katze in den Weinkeller kam, auf eines der Fässer sprang und dieses fauchend „verteidigte“, entschied man sich für dieses. Der Absatz dieses Weines war ein solcher Erfolg, dass sie später alle Weine der entsprechenden Weinbergslage aufkauften. Die Lage erhielt danach ihren Namen Schwarze Katz.
Zell an der Mosel | Foto-Quelle Wikipedia


Foto-Quelle Wikipedia

Ob hier der Ursprung aller "Schwarzen Katzen" auf Weinfässern begründet liegt, vermag ich nicht zu sagen. Im Burgund wurde mir dazu einmal, bei einer Führung im Hospiz de Beaune erzählt, dass sich Katzen im kühlen Weinkeller am liebsten auf das Fass legen würden, das am meisten Wärme abgibt. Rückschlüsse ließe das wohl so eher auf eine gut verlaufende Gärung ziehen.

Auch in der Steiermark ist eine Geschichte von der schwarzen Katz' am Weinfass überliefert. Auszug aus "Steirischer Rebensaft - Sagenhaft" von Peter Stelzl:
"In Schloßberg lebte einst ein armer Weinbauer, der den Teufel um Hilfe gebeten hatte: "Luzifer, ich schenk' dir meine Seele, wenn du mir hilfst und ich in meinem Fass den besten Wein der ganzen Gegend habe!" Der Teufel war einverstanden und bald waren die Fässer gefüllt. Auf das größte mit dem besten Wein gefüllte Fass setzte der Höllenfürst eine schwarze Katze und sagte:"Diese Katze wird immer Glück bringen!" Und bald hörte man nur mehr:"Bring mir den Wein von dem Fass, wo die schwarze Katze drauf sitzt!" Der Weinbauer wurde reich. Sein Lebensende nahte, er bekam es mit der Angst zu tun, ließ den Pfarrer holen und erzählte ihm alles. Dieser griff nach dem Weihwasserkessel, ging in den Keller, bespritzte die schwarze Katze mit Weihwasser und rief:"Du wirst kein teuflisches Symbol sein und Unglück bringen!" Er hörte ein höllisches Wimmern, und Schwefelgestank stieg dem Pfarrer in die Nase. Dadurch wurde die schwarze Katze ein friedliches Symbol, die jetzt das Fass mit dem besten Wein im Keller anzeigt und andererseits alle Dämonen aus dem Weinkeller vertreibt, die der noch immer beleidigte Teufel in unsere steirischen Weinkeller zu schicken versucht."

Gefunden auf der Website des Familienbetriebs Kratzer, die in ihrem Logo auch die schwarze Katze führen.

Erlebniskeller Retz, größter, historischer Weinkeller Österreichs
Und zum Abschluss noch eine Geschichte aus Götllesbrunn, wie es dort zu den Schwarzen Katzen auf den Fässern kam:

Die Legende der schwarzen (Wein) Katze

Die Legende besagt, dass sich ein Knecht immer heimlich in den Weinkeller schlich, um sich vom besten Fass einen Trunk zu holen. So setzte die Hausherrin eine schwarze Katze auf das Fass mit dem besten Wein um den Dieb davon abzuhalten. So kam es, dass die schwarze Katze bereits vor Jahrhunderten zum Symbol für den besten Wein im Keller wurde. Heute weiß man nach dieser Tradition, dass am Fass mit dem besten Wein im Keller die schwarze Katze sitzt! Da alle Weingüter der schwarzen „Wein - Katzen“ von Göttlesbrunn mindestens so alt wie diese Legende sind, führen wir diese weiter. (Quelle: Pressetext)

Wie wir sehen, sitzen bis heute auf den besten Fässern schwarze Katzen, in Form einer kleine Büste.
Manchmal in Weinkellern frage ich den Winzer, wenn ich keine Schwarze Katzenfigur auf einem Fass finde, auf welches Fass, sich seiner Meinung nach wohl eine Katze am liebsten legen würde? Meist wird das mit einem süffisanten Lächeln erwidert und man zeigt mir gerne das beste Fass im Weinkeller.

Neben den "besten" gibt es auch auch noch die "besonderen" Fässer, deren Inhalt schwer, bis nicht zu bekommen ist. Eine nette Geschichte ist eine Tradition vieler Winzer, den Jahrgang, der zur Geburt ihrer Kinder gelesen wird, in spezielle Fässer zu geben und abzufüllen. Bei der Familie MALAT war ich einmal mit dabei, als eine Flasche Grüner Veltliner geöffnet wurde, die bereits knapp 30 Jahre im Keller schlummerte und damals zur Geburt von Michael in einem extra Fass ausgebaut wurde.

www.stagard.at


Auch Urban T. Stagård, vom Lesehof Stagård in Krems, überlegt, ob er sich bald ein "extra Fass" anschaffen wird. Ein 500 Liter Fass aus Eiche für die beiden Mädels. "In dieses Fass werde ich dann natürlich einen Riesling vergären, dann gleich darin lagere und dann erst auf die Flasche bring wenn sie anfangen zu laufen oder sollte ich warten bis sie das erste mal Wein sagen können", antwortete mir Urban auf meine Frage, ob er an so eine Tradition auch gedacht hat, nachdem ja bekannt ist, das die beiden Zwillinge erwarten."
Ich wünsche den beiden alles Gute zum bevorstehenden Familienzuwachs - der im August gleich im Doppelpack auf die Welt kommen wird.


Und außerdem freue ich mich jedesmal auf einen ihrer Weine, die ja auch, wie ich finde aus ganz besonderen Fässern stammen, an deren Inhalt man nicht jederzeit und so einfach rankommt.



Der Riesling Grillenparz ist für mich persönlich einer der ausdruckvollsten Rieslingen, die ich aus dem Kremstal bisher getrunken habe. Es lohnt sich, nach dem Wein Ausschau zu halten!
Übrigens: Alle Weine BIO- & Veganzertifiziert bei Urban.

Und eine weitere, rare Spezialität findet sich in seinem Keller: Orange Wein.
Viel diskutiert wird derzeit in allen Foren über das Für und Wider, den Geschmack und ob es nun eine gültige Definiton für "DEN Orange Wein" gibt.

Urban selbst sagt: "Was sind Orange Weine?
Orange Weine sind Weine aus weißen Trauben, die auf der Maische, d.h. mit Traubenschalen, Kernen und zum Teil auch mit Traubenkämmen vergoren werden. Dieses Verfahren wird im Normalfall in der
Rotweinproduktion angewandt jedoch kaum bei Weißweinen. Da wird der Traubensaft sofort abgepresst und von den Schalen getrennt. Diese Schalen und Kämme enthalten Farbpigmente, Tannine und Phenole, die dem Wein die „orange“ Farbe verleihen. Die Farbe, der Duft und der Geschmack sind nicht einem typischen Weißwein zuzuordnen und entspricht auch nicht dem alltäglichen Bild von Weinverständnis – es liegt im Auge des Verkosters, den Wein als gut zu empfinden oder nicht. Bei diesen Weinen ist es möglich, in eine neue Geschmackswelt einzutauchen. Die Textur ist prägnant, dicht, tanninreich, aromatisch und sehr komplex und trotz der Andersartigkeit sind orange Weine tolle Speisenbegleiter auch wenn man es auf den ersten Anschein nicht vermutet. Der Wein stellt für viele geschmacklich eine Herausforderung dar, wir hoffen dass die Philosophie dahinter nachvollziehbar ist."

In diesem Sinne, hoffe ich, habe ich mich gut um das Thema herum gemogelt.
Weiterhin viel Spaß im Glas und bis zum nächsten Mal zur Weinrallye, sage ich "Cin Cin"
Eure Dorit Schmitt